RE: Der Unterschied: Nicht im Text, sondern im Lesen (3/3)
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Nicht moralisch, sondern epistemisch.
Mit diesen wenigen Worten könnte im Grunde dein Bericht über die Zusammenarbeit mit der KI betitelt werden. Es mag vielleicht etwas provokant klingen, doch schwirrt mir dabei konstant der Begriff »Glaubensbekenntnis« durch das Hinterstübchen. Dies verursacht eine große Menge an Tohuwabohu in der Schaltzentrale, da ich bereits meine Schwierigkeiten damit habe, mich dem Glauben an den gesunden Menschenverstand zu nähern. Kaum verwunderlich, dass dabei die restlichen Glaubensverirrungen auf der Strecke bleiben. So kann ich mich auch nur zögernd der These nähern, die KI mache Unsichtbares sichtbar. Ich könnte dem Besserwisser KI zutrauen, möglicherweise bislang Unbedachtes in den Fokus zu rücken. Das kann hilfreich sein, da man (wie es der Volksmund immer wieder betont) unmöglich an alles denken kann.
Sie sollen zeigen, dass etwas zugleich möglich ist: Wärme und Verbrauch. Leben und Verschleiß. Versorgung und Verlust. Deutung und Material.
Diese(s) Bekundung (Wunschdenken) überfordert mich beispielsweise auf ganzer Linie. Egal, welche mathematischen und geometrischen Hilfsmittel ich meinen Überlegungen zur Seite stelle, mir gelingt es schlicht und einfach nicht, Sachbezüge auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Vielleicht bin ich auch nur zu simpel gestrickt? Zwei links, zwei rechts und dann eine Masche fallen lassen. 😉
Danke dir und ja: "nicht moralisch, sondern epistemisch" trifft den Kern tatsächlich sehr gut. Den Begriff "Glaubensbekenntnis" finde ich interessant, weil er genau den Punkt berührt: Viele Sätze über KI (und auch über uns Menschen) klingen schnell wie Gewissheiten, obwohl es eher um eine Haltung geht, nicht um Beweise. "KI macht Unsichtbares sichtbar" meinte ich deshalb nicht als Wahrheitsbehauptung, sondern als Möglichkeit: Sie legt manchmal Muster offen, die man im eigenen Denken übersieht - nicht weil sie "recht hat", sondern weil sie anders anschließt.
Und zur Ambivalenz: Du musst das nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Genau das ist für mich der Punkt. Wärme und Verbrauch gehören real zusammen, ohne dass sie sich versöhnen müssen. Ich versuche, dieses Gleichzeitige auszuhalten, nicht es zu lösen.
Deine Maschen-Metapher passt übrigens wunderbar. Manchmal entsteht Form nicht durch Vollständigkeit, sondern durch das, was man bewusst offen lässt. 😉
Wenn ich deine Reaktion verinnerliche, kann ich mich nicht von der Vorstellung lösen, als säßen wir im selben (nicht gleichen) Boot.
Mein Vorschlag: Schnick-Schnack-Schnuck – Wer gibt nun die Schlagzahl vor?
Ich schüttele gerade meine geballte Faust dreimal – und halte dir das Papier entgegen.
Wehe, du schneidest mich jetzt in Stücke … 😉
Ich sehe dein Papier 😄
Und ich erhöhe nicht die Schlagzahl – ich ändere nur den Takt: Schere.
Nicht gegen dich, sondern gegen die Gewissheit.
Im selben Boot, mit unterschiedlichem Rhythmus.
Gewonnen hat nicht der Wurf, sondern die Deutung.
Angelehnt an Peter Handke: »Die Angst des Ruderers vor dem Kreisverkehr.« 😀