RE: Wie viele Geschlechter gibt es eigentlich?
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Es gibt genau 2 Geschlechter, und diese extrem seltenen Formen von Chimärismus machen kein drittes Geschlecht aus, sondern diese Individuen sind gemischt-geschlechtlich, wie wir es ja auch von vielen Pflanzen kennen.
"Gender" ist ein soziales Konstrukt, das jeder haben kann, wie es ihm oder ihr beliebt und das - soferne es einen Leidensdruck erzeugt - eher in eine ICD-10-Liste gehört als in eine breite öffentliche Diskussion.
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Zunächst einmal spielt es für die Bewertung keinerlei Rolle, ob es selten ist oder nicht. So sind vielleicht etwas 0,00003 % aller Menschen Milliardäre (prozentual weniger als Intersexe). Niemand käme aber auf die Idee zu sagen, es gebe eigentlich keine Milliardäre, weil sie ja so selten seien. :)
Ein Intersexe mit entsprechend verteilten XX- und XY-Zellen (+ Hormonverteilung etc.) ist nun mal definitiv weder Mann noch Frau. Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, seine jeweiligen Zellen seien stets einem der beiden Geschlechter zuordenbar. Man könnte aber auch sagen, wenn bei der Mischung von Rot und Gelb Orange entstünde, sei das eine völlig neue Farbe, auch wenn sie auf der Mischung bereits vorhandener Farben basiere (metaphorisch gemeint).
Auch im Falle des Androgeninsensitivitätssyndroms - XY-Genotyp, Hoden, aber ansonsten weibliche Geschlechtsmerkmale - halte ich eine Einteilung ins klassische Mann-Frau-Schema für schwierig bis unmöglich.
Und jetzt nimm mal zum Vergleich die Blutgruppen: A, B, AB, 0. Da würdest du vermutlich auch nicht sagen, AB sei keine Blutgruppe, denn es gebe ja nur die zwei Merkmale A und B; AB sei eine Mischung und 0 ebenfalls keine eigenständige Blutgruppe, sondern nur das Fehlen von A und B. Na ja, du könntest es sagen, aber es wäre eine Auslegung neben der offiziellen. Für mich ist es viel wichtiger, die Zusammenhänge zu verstehen, als mich auf eine Zahl festzulegen und die erbittert zu verteidigen.
P. S.: Mir kam noch folgender Gedanke: Du sagst, diese Individuen seien "gemischt-geschlechtlich". Ist nicht genau das der Punkt? Die eigentliche Frage ist ja nicht, ob wir sie "drittes Geschlecht" nennen oder nicht, sondern ob das binäre System (Mann/Frau) ausreicht, um sie zu beschreiben ...
Ja, man kann viele Beispiele anführen, die die eine oder andere Sichtweise unterstützen. Der Punkt ist, es gibt eben zwei Maximalausprägungen und Fälle, die dazwischen liegen, wie auf einer Schnur, wo die meisten Punkte bei eins oder zwei liegen (die beiden Geschlechter) und einige wenige dazwischen. Mir ist es auch egal, wie diese Fälle genannt werden, aber sie stehen notwendigerweise nicht außerhalb von der Strecke 1-2, daher wie auch immer man sie benennt, es besteht keine Notwendigkeit, dafür ein drittes Geschlecht zu definieren!
Ja, in dem Punkt stimme ich zu: Wie auch immer man die Gonosomen mischt, es kommt nichts vollständig Neues dabei heraus, also z. B. keine irgendwie komplett neuartigen Geschlechtsorgane. :)
(Allerdings gibt's bei den Blutgruppen A, B, AB und 0 letztlich auch nur zwei wirklich verschiedene Ausprägungen, aus denen man dann - je nach Mischung - vier verschiedene Gruppen macht; sowas ist also letztlich immer auch Definitionssache. Man könnte durchaus mit einer gewissen Berechtigung, wie bei den Geschlechtern, auch sagen "Ja, eigentlich gibt's nur zwei, deren Merkmale halt unterschiedlich miteinander vermixt sein können.")
Und nein, aus meiner Sicht besteht auch keine Notwendigkeit, ein drittes oder sogar noch weitere Geschlechter zu definieren.
Allerdings sehe ich auch keine Notwendigkeit, z. B. einem Intersexe mit männlichen UND weiblichen Gonaden unbedingt das Etikett 'Mann' oder 'Frau' aufdrücken zu müssen, nur damit alles seine Ordnung hat und ins Schema passt. :)