Die Borstige Dolchwespe - ein Klimawandelprofiteur

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Liebe Naturfreunde,

seit Tagen beobachten wir, wie auf unserer Terasse rel. große (mind. 2cm lange) Insekten knapp über dem Boden eines großen Pflanzentrogs, der mit Rindenmulch (gegen Unkraut) überdeckt ist, umherfliegen, als ob sie etwas suchen würden.
Dank @jaki01 (der ein großer Insektenkenner ist, aber hier auf Hive leider zu selten anzutreffen ist!) weiß ich endlich, um was es sich dabei handelt: Um Vertreter der Dolchwespen, vermutlich die Borstige Dolchwespe (Scolia hirta).

Hier hatte sich eine kurz ausgeruht.
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Zur Nahrungsaufnahme machen sie einen Abstecher zum derzeit blühenden Oregano (Origanum vulgare subsp. hirtum), der praktischerweise gleich in der Nähe steht.
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Die Dolchwespen kommen an sich im Mittelmeerraum vor (mit 69 Arten), wo sie heiße, sandige Standorte bevorzugen.
Klimawandelprofiteure(1) deswegen, weil sie in letzter Zeit vermehrt im südl. Mitteleuropa auftreten. In Deutschland galten sie früher als sehr selten, 2 Arten kommen dort aber auch jetzt häufiger vor, vor allem im Osten. In Österreich wurden bereits 4 Dolchwespenarten nachgewiesen (Quelle).

Aber was suchen sie da im Rindenmulch?
Sie suchen eine Möglichkeit zur Eiablage, und damit kommt jetzt der eklige Teil. Ihre Larven parasitieren nämlich an den Larven von bestimmten Blatthornkäfern (die in der Erde unter dem Rindenmulch schlummern bzw. reifen), auch Engerlinge genannt (im Fall der Borstigen Dolchwespe sind das z.B. Rosenkäferlarven). Sie können den Geruch der Engerlinge durch die Erde hindurch wahrnehmen (chemische Ortung) und mit ihren starken Mandibeln gezielt danach graben. Hat die Dolchwespe einen gefunden, wird er mit einem Stich betäubt und sie legt ein Ei ab. Die geschlüpfte Larve saugt zuerst nur an dem Engerling, später frißt sie ihn komplett auf. Nach der Verpuppung schlüpft die neue Dolchwespe, gräbt sich ins Freie und alles beginnt von Neuem.
Tja, die Natur kennt keine Moral.

(1): Nur weil ich einen Klimawandel konstatiere, heißt das nicht, das der primär vom Menschen verursacht wird. Es gab früher schon öfter Warmphasen, ohne dass jemand da war, der eine Krise ausgerufen hat.

Off Topic:
Jetzt blüht auch der Lavendel, aber der wird eher von Hummeln besucht, seltener von Bienen und fallweise auch von Schmetterlingen wie diesem Kleinen Kohl-Weißling:

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All pics by @stayoutoftherz



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Insekten sind doch immer wieder spannende Zeitgenossen. Ich finde es faszinierend wie sich die Arten an neue Gegebenheiten, hier z.B. veränderte klimatische Bedingungen, anpassen. Einige Arten bleiben da natürlich auf der Strecke, aber auch das ist wohl einfach der Lauf der Dinge. Mammuts gibt es ja auch keine mehr 😀

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Genau so ist es, die Natur insg. ist irre flexibel. Arten kommen und gehen, das ist das Normalste auf der Welt. Nur der Mensch glaubt in seiner Hybris, er könne einen willkürlich gewählten "Jetzt"-Zustand für immer konservieren.

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In der Natur gibt es keine Planwirtschaft und keine political correctness. Die Trans Dolchvespe ebenso wenig...

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Aus einer 'Gottperspektive' von außen ist das natürlich richtig: Arten kommen und gehen. Ist man aber selbst eine dieser Arten, und sitzt mitten drin im 'Schlamassel', ist es aus meiner Sicht völlig verständlich, sich Gedanken darüber zu machen, wie man als Art bzw. natürlich auch als Individuum, samt seiner Gene, seiner Familie, seines Nachwuchses, ... seine Überlebenschancen optimieren kann.
Ich halte es zwar für falsch und auch irgendwie nervend, wenn ständig davon geredet wird, wir sollten versuchen, den "Planeten zu retten". Der Planet hält das schon alles irgendwie aus, und die Natur wird stets Möglichkeiten finden, dass sich Leben immer wieder neu manifestiert (zumindest bis dann irgendwann die Erde von der Sonne 'verspeist' werden wird), allerdings halte ich es für sinnvoll, dem Klimawandel und seinen Auswirkungen die gebührende Beachtung zu schenken (ohne ihn jedoch als allem anderen übergeordnetes "Überproblem" zu betrachten, dessen Lösung sich alle anderen Aspekte menschlichen Lebens bedingungslos unterzuordnen hätten).

Ich selbst gehe auch sehr wohl davon aus, dass der Mensch einen signifikanten Einfluss auf die Veränderung des Klimas hat, wobei ich nicht behaupte, ohne den Menschen veränderte sich das Klima nicht - m. E. geschähe das jedoch deutlich langsamer, was vielen Arten mehr Zeit gäbe, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen (das gilt nicht nur für den Wandel des Klimas: So schnell wie der Mensch hat selten jemand Lebensräume verändert, z. B. Regenwald abgeholzt oder Meere leergefischt).

Mir ist bewusst, wie aufgeheizt (passendes Wort, oder?) Klimawandeldiskussionen meist verlaufen (unglücklicherweise nicht nur die - Menschen fällt es anscheinend, unabhängig vom Thema, immer schwerer, auch bei unterschiedlicher Meinung sachlich, ergebnisoffen und vor allem freundlich miteinander zu diskutieren) und ich will hier nicht als 'Klimawandelglaubenskrieger' auftreten. Soll sich doch gerne jeder anhand der bekannten Fakten ein eigenes Bild machen, sich seine eigene Meinung bilden (und bereit sein, mittels neuer Erkenntnisse jederzeit scheinbar sicheres Wissen zu hinterfragen).

So wie andere unter den statistisch gesehen höheren Temperaturen leiden (z. B. Hummeln, die es aufgrund ihrer eigenen Wärmeerzeugung gerne eher etwas kühler haben), freut sich die hübsche Scolia hirta über die Ausweitung ihres Verbreitungsgebiets - und so gesehen stimmt es natürlich: Der Klimawandel ist des einen Freud' und des anderen Leid.

Danke für deine Erwähnung!

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Krasse Viecher, die kannte ich noch nicht.
Dein Klimahinweis ist 1 A.

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Sehr interessant. Bis nach Berlin haben sie es noch nicht geschafft. Jedenfalls habe ich diese Insekten hier noch nicht gesehen, auch wenn ich in den letzten Jahren mehrere "neue Arten" entdeckt habe, wie zum Beispiel schwarze Bienen.

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Super interessant, diese sind mir noch nicht begegnet. Moral hin oder her, sind diverse Wespenarten unglaublich wichtig um das Ökosystem im Gleichgewicht zu halten und Schädlinge in Zaum zu halten.
Aber wie immer sage ich Dir da wohl nix Neues ;-)

Habe versucht Wespe zu fotografieren während sie Blätter nach der weißen Fliege absucht um diese zu fressen, leider nicht gelungen

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Ja, dafür braucht man viiel Geduld und einen schnellen Autofokus.

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Solche Dolchwespen in den Parlamenten könnte man bei den dort mutmaßlich nistenden Engerlingen sicherlich gut gebrauchen.

Ganz ohne Chemie ließe sich der Ekelfaktor mancherorts erheblich reduzieren.

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sehr schöne Fotos! Ich bin kein große Fan von Wespen!

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Diese hier sind ganz anders. Sie stechen Menschen nicht (so weit ich weiß).

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Die normale Wespen sind ein Reisige Problem und auch die Wespenneste sehen echt schrecklich aus!

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In meinen Augen sind Wespennester Kunstwerke und Wespen evolutionsbiologisch betrachtet äußerst erfolgreiche, anpassungsfähige (und schöne) Lebensformen.

Natürlich sind die Geschmäcker aber verschieden, und nicht jeder sieht die Dinge genauso wie ein eingefleischter Insektenfan wie ich es bin. :)

Interessant finde ich, dass zahlreiche Individuen der Spezies Homo sapiens meist genau solchen Konkurrenten ablehnend gegenüber stehen, die ihm gewissermaßen ähnlich sind: sich schnell vermehrende, anpassungsfähige Allesfresser wie z. B. Ratten, Wespen, Heuschrecken, Spanische Wegschnecken oder diverse Fliegenarten.

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Echt cool! Sowas hatte ich nie gedacht. Ich bin leider kein Insektenfan. Meine Gedanken geht mehr ins Richtung, warum hat Gott dieses Insekten kreiert? Aber mehr so über Mucken!!? Er hat auf jeden Fall Humor!

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... warum hat Gott dieses Insekten kreiert?

:-)

So (oder so ähnlich) werden viele Tiere wahrscheinlich auch über uns denken ("Kann denn wirklich niemand - NIEMAND? - diese nie enden wollende Menschenplage endlich stoppen?!?") ...

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LOL! Ja, das ist Wahr!

Meine horrende Gedanken sind nur, was wenn wir zurück als Insekten kommen!! 🙃😱

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Jetzt bin ich echt erleichtert. Da der Homo sapiens auch nicht sonderlich viel von der Moral hält, darf er somit der Natur zugeordnet werden. Bislang beschlich mich nämlich eine düstere Vermutung, der Mensch versuche sich über die Natur zu stellen. Dabei fällt es ihm oft irre schwer, überhaupt auf den eigenen Füßen zu stehen. :-)
Der Kreislauf des Fressens und gefressen werden, funktioniert optimal, solange wir uns nicht einmischen. Unsere sogenannten oder gar selbst ernannten Industriekapitäne beweisen uns ja beinahe täglich, dass dieses Prinzip, auf die Wirtschaft übertragen, schnell zum Desaster ausarten kann. Aber hier tangieren wir schon fast wieder die Moral – und wie unsere Beziehung dazu ist ...

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Liebes, ich habe noch nie so ein Insekt gesehen, ich habe einen Abschluss in landwirtschaftlicher Phytotechnik und ich habe viele Wespenarten gesehen, aber nicht wie die in Ihrer Veröffentlichung, selbst die Vertreterin der Dolchwespe, sie ist plötzlich sehr bunt Ich werde Ihnen sagen, dass es wahrscheinlich so ist, wie Sie behaupten, basierend auf Ihrem Wissen über die borstige Dolchwespe (Scolia hirta). In jedem Fall ist das Studium von Insekten wichtig, wenn man Züchter ist. Erfolge aus Venezuela.

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Hab ich bisher auch noch nicht gesehen.

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