Vorgehensmodelle: Das V-Modell

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Das V-Modell wurde als Entwicklungsstandard für IT-Systeme des Bundes entwickelt [1]. Das V-Modell beschreibt sehr detailliert das Vorgehen bei der Entwicklung von IT-Systemen, die sowohl aus Hardwarekomponenten als auch aus Softwarekomponenten bestehen können.

Der Kern des V-Modells sind die Vorgehensbausteine. Sie sind modular strukturiert als eigenständige Einheiten, die jeweils geändert und erweitert werden können. Ein Vorgehensbaustein kapselt alle Komponenten, die zur Erfüllung einer Aufgabenstellung im Rahmen des Projekts notwendig sind. Das können Produkte und Aktivitäten sein.

Produkte sind Ergebnisse bzw. Zwischenergebnisse in der Projektdurchführung, z.B. ein Projektplan oder das Release einer Software-Komponente. Aktivitäten beschreiben die Art und Weise, wie ein Produkt zu erarbeiten ist.

Schließlich gehören zu einem Vorgehensbaustein Rollen mit der Festlegung von Mitwirkungsbeziehungen und Verantwortlichkeiten. Beim Tailoring, also beim Anpassen des abstrakten V-Modells an ein konkretes Projekt, wird jedem Produkt genau eine verantwortliche Rolle, zudem weitere mitwirkende Rollen zugewiesen und es werden für jede Rolle konkrete Personen bzw. Organisationseinheiten benannt.

Für die Systementwicklung lassen sich die Entscheidungspunkte in der folgenden Weise strukturieren:

vmodell.png

Abbildung: V-Modell

Den Stufen der Spezifikation und Zerlegung des zu entwickelnden Systems entsprechen in umgekehrter Reihenfolge die Prozessstufen der Realisierung und Integration. In diesem V-förmigen Modell korrespondieren jeweils die Entscheidungspunkte der Spezifikation zu denen der Realisierung.

Eine Verifikation (Überprüfung der Übereinstimmung von Spezifikation und Produkt) und die Validierung (Überprüfung der Relation von Produkt und Zweck) erfolgen auf jeder Stufe.

Zusammenfassend stellt das V-Modell ein sehr gut ausgearbeitetes und umfassendes Modell zur Verfügung, das durch die Möglichkeiten des Tailoring und die Berücksichtigung unterschiedlicher Projektarten flexibel einsetzbar ist. Es ermöglicht eine standardisierte Abwicklung von Projekten und trägt damit den oben genannten Zielen Rechnung. Das Modell ist frei zugänglich, sehr gut dokumentiert und stellt den Anwendern unterstützende Werkzeuge und Produktvorlagen zur Verfügung.

Als Schwachstelle des V-Modells bleibt in der Hauptsache der Umfang des Modells und die Vielzahl der erzeugten Dokumente, die trotz der Möglichkeiten des Tailoring deutlich machen, dass das V-Modell letztlich doch in erster Linie für große eingebettete Systeme entwickelt worden ist.

Quellen
[1] https://www.cio.bund.de/Web/DE/Architekturen-und-Standards/V-Modell-XT/vmodell_xt_node.html
[2] Ruparelia, Nayan. (2010). Software development lifecycle models. ACM SIGSOFT Software Engineering Notes. 35. 8-13. DOI: 10.1145/1764810.1764814