An Austrian inventor's fate // Ein österreichisches Erfinderschicksal

in OCD5 months ago
Peter Mitterhofer and the typewriter.

Late autumn in 1866. In Partschins (in today's South Tyrol) a man sets off on a more than 600-kilometre-long march across the Alps to the imperial city of Vienna. On his back his latest invention: a 15 kg "writing instrument", a prototype of the first working typewriter.

Peter Mitterhofer und die Schreibmaschine

Es ist Spätherbst im Jahr 1866. In Partschins (im heutigen Südtirol) bricht ein Mann zu einem über 600 Kilometer langen Fußmarsch über die Alpen in die Kaiserstadt Wien auf. Auf dem Rücken seine neueste Erfindung: ein 15 kg schwerer "Schreibapparat", einen Vorläufer der ersten funktionstüchtige Schreibmaschine.

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Peter Mitterhofer: Modell Wien 1864 (Technisches Museum Wien)

The story of the invention of the typewriter begins in September 1822 with the birth of Peter Mitterhofer in the small South Tyrolean mountain village of Partschins near Meran. From his father he learns the trade of carpenter and joiner. With self-built instruments he moves through the village restaurants as a musician and ventriloquist. He is considered a lateral thinker and often comes into conflict with the local authorities such as the mayor, priest or village policeman. As it was usual for journeymen at that time, he goes on the "Walz". His three years of wandering leads him through several countries of the Danube Monarchy up to the Balkans.

Die Geschichte der Erfindung der Schreibmaschine beginnt im September 1822 mit der Geburt von Peter Mitterhofer im kleinen Süditroler Bergdorf Partschins nahe Meran. Bei seinem Vater lernt er das Handwerk des Tischlers und Zimmermanns. Mit selbst gebauten Instrumenten zieht er als Musiker und Bauchredner durch die Dorfgaststätten. Er gilt als Querdenker und gerät des Öfteren mit den örtlichen Autoritäten wie Bürgermeister, Pfarrer oder Dorfpolizist in Konflikt. Wie es zur damaligen Zeit für Gesellen üblich ist, geht er auf die "Walz". Seine dreijährige Wanderschaft führt ihn durch mehrere Länder der Donaumonarchie bis hin zum Balkan.

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Modell Wien 1864 (Technisches Museum Wien)

After returning to his home village, he begins to develop a mechanical writing aid. The prototype of his first typewriter, dating from 1864, is now on display at the Vienna Technical Museum (TMW). The "Viennese model" is equipped with 30 keys for capital letters and is made almost entirely of wood. Mitterhofer builds his first model using the simplest tools without any technical aids.

Zurückgekehrt in sein Heimatdorf beginnt er mit der Entwicklung einer mechanischen Schreibhilfe. Der Prototyp seiner ersten Schreibmaschine aus dem Jahr 1864 ist heute im Technischen Museum Wien (TMW) ausgestellt. Das "Wiener Modell" ist mit 30 Tasten für Großbuchstaben ausgestattet und nahezu vollständig aus Holz gefertigt. Mitterhofer baut sein erstes Modell mit den einfachsten Werkzeugen ohne technische Hilfsmittel.

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Peter Mitterhofer, before / vor 1899 (Source/Quelle)

Based on the prototype, Mitterhofer develops the "Dresden Model", which is now in the possession of the Technical Collections of the City of Dresden. The models are similar in construction, but metal is already used for the type basket and the types of the second machine. Both machines do not pass the practical test because the paper clamped in a frame is perforated by the types, consisting of broken needles.

Nach dem Prototyp entwickelt Mitterhofer das "Dresdner Modell", das heute im Besitz der Technischen Sammlungen der Stadt Dresden ist. In seiner Konstruktionsweise gleichen die Modelle einander, allerdings wird für den Typenkorb und die Typen der zweiten Maschine bereits Metall verwendet. Den Praxistest bestehen beide Maschinen nicht, da das in einen Rahmen eingespannte Papier beim Anschlag durch die Typen, die aus abgebrochenen Nadeln bestehen, perforiert wird.

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Modell Wien 1864 (Technisches Museum Wien)

In 1866 the next invention followed, the "writing instrument" mentioned at the beginning. It already has a full keyboard, a paper roller, a type lever basket and a space bar. This model is already quite close to the modern typewriter. In search of financial support for the further development, Mitterhofer takes on the arduous walk to Vienna. He carries his latest invention in a wheelbarrow that he had converted into a back stretcher. In December 1866 he arrives in Vienna. After he is denied an audience with Emperor Franz Joseph I, he asks for financial support in a written request, in which he praises the advantages of his machine. After an expert opinion by officials of the Polytechnic Institute, he is granted a gift of 200 guilders. However, one is not convinced that the invention could be used in practice. To this day, the whereabouts of this model remain unclear.

1866 folgt die nächste Erfindung, der eingangs erwähnte "Schreibapparat". Er verfügt bereits über eine Volltastatur, eine Papierwalze, einen Typenhebelkorb sowie eine Zwischenraumtaste. Dieses Modell kommt der modernen Schreibmaschine schon ziemlich nahe. Auf der Suche nach finanzieller Unterstützung für die Weiterentwicklung nimmt Mitterhofer den beschwerlichen Fußmarsch nach Wien auf sich. Als Transportmittel für seinen "Schreibapparat" fungiert eine Schubkarre, die er in eine Rückentrage umfunktioniert hat. Im Dezember 1866 kommt er in Wien an. Nachdem ihm eine Audienz bei Kaiser Franz Joseph I. verwehrt bleibt, bittet er in einem schriftlichen Gesuch, in dem er die Vorteile seiner Maschine anpreist, um finanzielle Unterstützung. Nach einer Begutachtung durch Beamte des Polytechnischen Institutes wird ihm eine Subvention von 200 Gulden bewilligt. Von einer praktischen Verwendbarkeit der Erfindung war man allerdings nicht überzeugt. Bis heute ist der Verbleib dieses Modells ungeklärt.

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First typewritten letter / Erster maschinengeschriebener Brief, 1869 (Source/Quelle)

Peter Mitterhofer does not give up. He develops two further models, first of all the Modell Meran which is made in metal and is on display in the Merano City Museum. The last invention, the "Model Vienna 1869" is already a fully functional typewriter, the types of which are cast as letters. The 82 keys have upper and lower case letters, numbers and some special characters. The first typewritten letter, which Mitterhofer writes on August 8, 1869, is still preserved today.

Peter Mitterhofer gibt nicht auf. Er entwickelt zwei weitere Modelle, zunächst das in Metall ausgeführte Modell Meran, das heute im Stadtmuseum Meran ausgestellt ist. Bei der letzten Erfindung, dem "Modell Wien 1869" handelt es sich bereits um eine voll gebrauchsfähige Schreibmaschine, deren Typen als Lettern gegossen sind. Die 82 Tasten weisen Groß- und Kleinbuchstaben, Ziffern und einige Sonderzeichen auf. Der erste maschinengeschriebene Brief, den Mitterhofer am 8. August 1869 verfasst, ist heute noch erhalten.

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Modell Wien 1864 (Technisches Museum Wien)

Convinced of his invention, Mitterhofer sets off again to Vienna around 1870 to apply to the imperial court for financial support for the factory production of his invention. However, the potential of the typewriter is not recognized. On the basis of an expert's report, the typewriter is compensated for 150 gulden and included in the collection of the Polytechnic Institute (today Technical University) in Vienna. After the renewed disappointment Mitterhofer loses all interest in further development or marketing of his invention.

Überzeugt von seiner Erfindung macht sich Mitterhofer um 1870 erneut auf den Weg nach Wien um am kaiserlichen Hof um finanzielle Unterstützung für eine fabrikmäßige Erzeugung seiner Erfindung anzusuchen. Das Potential der Schreibmaschine wird jedoch nicht erkannt. Aufgrund eines Gutachtens wird die Schreibmaschine mit 150 Gulden abgefunden und in die Sammlung des Polytechnischen Institutes (heute Technische Universität) in Wien aufgenommen. Nach der neuerlichen Enttäuschung verliert Mitterhofer jegliches Interesse an einer weiteren Entwicklung oder Vermarktung seiner Erfindung.

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Sholes-Glidden: Typewriter, 1874 (Technischen Museum Wien)

Mitterhofer was not the first to work intensively on the development of a mechanical writing instrument in the 1860s. In 1868 a patent application was filed in the USA for the "typewriter" designed by Christopher Sholes, Carlos Glidden and Samuel W. Soulé. Six years later the patent was commercially exploited by the gun and sewing machine manufacturer E. Remington & Sons. Mitterhofer witnessed the triumphal march of the typewriter. He died in August 1893.

Mitterhofer war nicht der Erste, der in den 1860er Jahren intensiv an der Entwicklung eines mechanischen Schreibapparates arbeitete. 1868 wurde in den USA der von Christopher Sholes, Carlos Glidden und Samuel W. Soulé konstruierte "typewriter" zum Patent angemeldet. Sechs Jahre später wurde das Patent vom Waffen- und Nähmaschinen-Produzenten E. Remington & Sons kommerziell verwertet. Mitterhofer erlebte den Siegeszug der Schreibmaschine noch mit. Er verstarb im August 1893.


All photos without reference were taken by me at the Technisches Museum Wien.

Alle Fotos ohne Quellenangabe wurden von mir im Technischen Museum Wien aufgenommen.

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Hast Du das nicht schon am 15.Dez. gepostet?

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Very interesting, I am fascinated by the history of inventions and their inventors.
Thank you!