Fridays for Netflix: Streaming frisst die Zukunft auf

in #deutsch3 years ago

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Überall wird heutzutage gestreamt - sogar in der Kneipe.

Das Fernsehen aus der Internetcloud ist viel schädlicher als bisher bekannt.

Fliegen, große SUVs und Fleischverzehr galten bisher als die großen Klimakiller, gegen die es anzugehen gilt, wenn die menschliche Zivilisation eine Zukunft haben soll. Doch nach Daten, die Forscher des französischen Klimaschutz-Think Tanks The Shift Project erhoben haben, zählen auch angesagte und vermeintlich ressourcenschonende neue Technologien wie das Streamen von Videos über Plattformen wie Netflix oder Amazon Prime zu den großen Umweltkillern.

Insgesamt, haben die Wissenschaftler errechnet, sei das Internet für mehr als 3,5 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Zum Vergleich: Der zivile Luftverkehr kam im vergangenen Jahr nur auf zwei Prozent.

Jeder Facebook-Like, jeder Tweet und jeder gestreamte Film trägt zum Energieverbrauch bei. So benötigt allein die Anzeige eines Kinofilms in HD auf einem Smartphone so viel Energie wie ein Herd mit zwei Kilowatt Leistung, der eine Stunde lang auf höchster Stufe läuft. Aber auch hinter den Kulissen wird beständig Energie verbraucht, um gespeicherte Daten am Leben zu erhalten.

Die riesigen Serverfarmen der großen Cloud-Anbieter stehen mittlerweile für knapp 20 Prozent des Energieverbrauchs im gesamten IT-Sektor und damit für denselben Anteil an der CO2-Emissionen. Hält das Wachstum der vergangenen Jahre an, könnte der digitale Anteil an den weltweiten Emissionen bereits bis zum Jahr 2025 auf mehr als acht Prozent steigen. Das Internet verursachte dann mehr Emissionen als der Straßenverkehr. Das bequeme Netflixen, beliebt vor allem bei der Generation, die auch die Fridays-for-future-Aktivisten stellt, wäre dann die größte Klima-Bedrohung.

Wie groß die Wirkungen von vermeintlich kleinen Ursachen sind, haben die Anti-Viren-Spezialisten von McAfee errechnet. Eine einzige Spam-Mail produziert ihren Angaben zufolge 0,3 Gramm CO2, bei 62 Billionen solcher Mails, wie sie etwa im Jahr 2008 verschickt worden waren, ergebe sich daraus ein Verbrauch von 33 Milliarden Kilowattstunden - umgerechnet der Energieverbrauch eines Autos, das 1,6 Millionen Mal um die Erde fährt.