RE: Wenn Sprache irritiert

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So unterschiedlich unsere Zugänge sind, sie berühren sich an einem Punkt. Du beschreibst Sprache als Werkzeug, als Material, das je nach Einsatz trägt oder kippt. Ich schaue eher auf das, was passiert, wenn dieses Werkzeug nicht mehr reibungslos funktioniert.

Dein Text ist selbst kein neutrales Paket - er ist dicht, körperlich, überladen mit Bildern. Genau dadurch entsteht Wirkung, aber auch Widerstand. Man muss mitgehen wollen, sonst bleibt man stehen. Das meine ich nicht wertend, eher beschreibend.

Vielleicht liegt genau dort eine interessante Differenz:
Du gehst davon aus, dass Sprache formbar ist und ihre Qualität vom Umgang abhängt. Mich interessiert der Moment, in dem Sprache sich dem Zugriff entzieht - nicht weil sie schlecht gebraucht wird, sondern weil sie mehrere Lesarten zugleich trägt.

Dass Irritation dort sinnvoll wird, wo wir zu schnell glauben, verstanden zu haben, darin treffen wir uns. Ob sie aus schlechtem Material entsteht oder aus zu viel Bedeutung auf engem Raum, ist vielleicht weniger entscheidend als die Frage, was wir daraus machen.



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Die konstant präsenten Knackpunkte sehe ich im bewusst manipulativen Umgang mit den Wörtern, die sich zu einer Botschaft fügen, und der Fehlinterpretation dessen, der die Botschaft empfängt – aber fest davon überzeugt ist, das schwammige Gewäsch richtig eingelagert zu haben.
Wahlergebnisse sind zumeist das Resultat von Fehlinterpretationen mehr oder weniger sinnfreier Parolen.

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Das ist ein zentraler Punkt. Manipulation und Fehlinterpretation greifen ineinander und beides wird durch Sprache begünstigt, die nicht mehr klären will, sondern wirken.

Was mich daran besonders interessiert: Nicht nur bewusste Verdrehung, sondern auch die stillere Form - wenn Begriffe so gewählt werden, dass sie in vielen Köpfen jeweils etwas anderes auslösen, aber trotzdem nach Klarheit klingen. Dann wird Unschärfe zur Strategie.

Und ja: Wer überzeugt ist, "es richtig verstanden" zu haben, ist oft am schwersten erreichbar - weil Irritation nicht mehr als Signal gilt, sondern als Angriff.

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