(Neujahrsgedanken) Zwischen Tempo und Tiefe 🔸 (New Year Reflections) Between Speed and Depth (de/en)

🇩🇪 Deutsch

Der Jahreswechsel ist für mich kein Punkt, an dem alles neu beginnt, sondern ein Moment, an dem sich Linien klarer zeigen.

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🔸Zwischen Klarheit und Unschärfe.

In den letzten Monaten habe ich viele Gespräche geführt - über KI, über Systeme, über Verantwortung. Was mich dabei mehr irritiert hat als die Technik selbst, war die Sprache, in der wir über sie sprechen und der Ton, in dem Generationen dabei aufeinandertreffen.

Zwischen Euphorie und Abwehr geht oft verloren, dass Worte nicht nur beschreiben, sondern Wirklichkeit vorbereiten. Gerade im Zusammenspiel von Erfahrung und Aufbruch zeigt sich, ob Sprache verbindet oder Distanz schafft. Diese Fragen begegnen mir nicht nur in der Technik, sondern sehr konkret im Alltag von Arbeit, Ausbildung und Führung. Dort, wo gelernt wird, entscheidet sich oft leiser als gedacht, welche Haltung weitergegeben wird: ob Neugier gefördert wird - oder Anpassung verlangt.

Ich habe junge Menschen erlebt, die schneller umsetzen, als andere denken können. Und ich habe erlebt, wie genau dieses Tempo ins Leere läuft, wenn Erfahrung nur noch verwaltet, aber nicht mehr geteilt wird.

Für mich liegt die Hoffnung tatsächlich in der Jugend - aber nicht als Gegenpol zur Erfahrung. Sondern dort, wo Tempo auf Verantwortung trifft und Lernen nicht als Einbahnstraße verstanden wird.

Ausbildung ist für mich kein Vorbereitungsraum auf "später", sondern ein Prüfstein für Gegenwart. Vorgesetzte zeigen hier oft deutlicher als anderswo, ob sie führen wollen oder nur Aufgaben weiterreichen.

Zusammenarbeit heißt für mich deshalb nicht, dass einer führt und der andere folgt. Sondern dass Geschwindigkeit und Tiefe einander korrigieren dürfen. Dass Irritation nicht als Störung gilt, sondern als Signal.

Gerade im Umgang mit KI halte ich das für entscheidend. Nicht weil Systeme "zu mächtig" wären, sondern weil wir Gefahr laufen, ihnen Fragen zu stellen, die wir untereinander noch nicht geklärt haben.

Ich gehe ins neue Jahr mit weniger Antworten als zuvor - aber mit größerer Klarheit darüber, welche Fragen ich nicht überspringen möchte. Sprache ist für mich dabei kein Beiwerk. Sie ist der Ort, an dem Verantwortung beginnt.


Zum Beginn dieses neuen Jahres wünsche ich uns Zeit füreinander und Geduld mit dem, was noch nicht klar ist.

Ich wünsche mir, dass wir den Mut behalten, zuzuhören - über Generationen hinweg und Unterschiede nicht als Trennung, sondern als Einladung zu verstehen.

Möge die Jugend ihre Neugier und ihr Tempo behalten. Mögen jene mit Erfahrung den Raum öffnen, damit Lernen in beide Richtungen möglich bleibt.

Und den Systemen, die wir entwickeln und KI nennen, wünsche ich, dass sie uns unterstützen, ohne uns zu übertönen. Dass sie erklären, ohne zu bestimmen.

Am Ende bleibt Verantwortung bei uns. Und vielleicht ist genau das beruhigend.

Ich wünsche euch allen einen ruhigen, offenen und menschlichen Start ins neue Jahr.

Für mich ist es jetzt Mitternacht. Nicht überall beginnt das neue Jahr gleichzeitig - aber ich beginne dort, wo ich gerade bin. @vanje


#Bewusstsein #Selbstreflexion #Zukunft #Philosophie #Technologie #MenschMaschine #Mensch #KI


🇬🇧 English (machine-assisted translation)

The turn of the year is not a point for me where everything begins anew, but a moment in which lines become more clearly visible.

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🔸Between clarity and blur.

Over the past months, I have had many conversations – about AI, about systems, about responsibility. What irritated me more than the technology itself was the language we use to talk about it, and the tone in which generations encounter one another.

Between euphoria and resistance, it is often lost that words do not merely describe reality, but prepare it. Especially in the interplay between experience and momentum, it becomes clear whether language connects or creates distance. These questions do not arise for me only in technology, but very concretely in everyday working life, in education and in leadership. Where learning takes place, it is often decided more quietly than expected which attitudes are passed on: whether curiosity is encouraged – or conformity is demanded.

I have seen young people implement ideas faster than others can think them through. And I have also seen how precisely this speed comes to nothing when experience is only administered, but no longer shared.

For me, hope truly lies in youth – but not as a counterpoint to experience. Rather where speed meets responsibility and learning is not understood as a one-way street.

Education is not a preparation space for “later” for me, but a test of the present. Supervisors often show here more clearly than anywhere else whether they want to lead or merely pass on tasks.

Cooperation therefore does not mean to me that one leads and the other follows. Rather, it means that speed and depth are allowed to correct one another. That irritation is not seen as a disruption, but as a signal.

Especially in dealing with AI, I consider this crucial. Not because systems are “too powerful”, but because we risk asking them questions that we have not yet clarified among ourselves.

I enter the new year with fewer answers than before – but with greater clarity about which questions I do not want to skip. For me, language is not an accessory. It is the place where responsibility begins.

At the beginning of this new year, I wish us time for one another and patience with what is not yet clear.

I hope that we keep the courage to listen – across generations – and to understand differences not as separation, but as invitation.

May the young retain their curiosity and their pace. May those with experience open spaces so that learning can move in both directions.

And to the systems we develop and call AI, I wish that they support us without overpowering us. That they explain without deciding.

In the end, responsibility remains with us. And perhaps that is exactly what is reassuring.

I wish you all a calm, open, and human start to the new year.

For me, it is midnight now. The new year does not begin everywhere at the same time – but I begin where I am. @vanje


🟠 Über mich:
Ich bewege mich zwischen Welten: zwischen Technik und Bewusstsein, zwischen äußerer Reise und innerer Bewegung. Ich schreibe über Küsten, Städte und Wälder, aber ebenso über Wandel, Wahrnehmung und die Frage, wie Technologie uns formt und was sie über uns verrät. Meine Texte entstehen dort, wo Analyse auf Intuition trifft. Wo ein Gedanke zu einem Impuls wird und sich ein Muster zeigt, das zuvor verborgen war. Sprache ist für mich eine Brücke: zwischen Herz und Verstand, zwischen Mensch und Maschine, zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir oft übergehen. KI-gestützte Tools wie Nuance Dragon nutze ich nicht als Krücke, sondern als Verstärker - sie erlauben mir, Gedanken freier fließen zu lassen, präziser und kompromissloser. Deutsch ist mein Ausgangspunkt, mein innerer Klang. Die englischen Übersetzungen sind keine bloßen Spiegel, sondern eigenständige Echos derselben Idee. Die Fotos und Bildcollagen, die ich nutze, stammen – sofern nicht anders angegeben – aus meiner eigenen Kamera. Für mich ist ein Moment erst ganz, wenn er nicht nur gelesen, sondern auch gesehen, gespürt und verstanden werden kann.



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Da ich an einem 26. geboren wurde, habe ich mir den Freifahrtschein für 2026 vorsorglich und nicht gänzlich ohne die Prise Egoismus, bei mittlerer Temperatur und wohliger Umluft, ausgebacken. Wegzehrung für 12 Monate, die mich erneut lehren werden, dass es stets anders kommt, als dass man es sich erträumt, mich aber trotzdem bei bester Laune halten.
Wer sich grundsätzlich nicht beim Einbinden von Ideen, Visionen und Hoffnungen (aus welchen Himmelsrichtungen sie auch immer auf dich einströmen) überheblich und besserwisserisch zeigt, hat wahrlich kapiert, dass Machtgehabe, Selbstüberschätzung und gehortetes Kapital nur in den Kriechgang führen. Möglicherweise auch schnurstracks an die Wand?
Beste Grüße,
Wolfram

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Ein tolles Foto lockte mich zu diesem tollen philosophischen Text.
Ich versuche die KI für mich sinnvoll zu nutzen. Natürlich lauern bei allem, was neu ist, auch Gefahren. Aber es nutzt nichts, sich neuen Techniken komplett zu verweigern, es sein denn, man gedenkt, völlig auszusteigen. Aber dafür bin ich nicht der Typ. ;-)

Anfang der 2000er habe ich gelernt, daß ich nicht gegen den vermeintlichen Fortschritt ankämpfen sollte, sondern für mich das beste aus Dingen machen sollte, die ich alleine sowieso nicht aufhalten kann - auch wenn mir etwas nicht so passt. Das impliziert natürlich nicht, daß ich alles wortlos akzeptieren und bei allem gedankenlos mitmachen muß. ;-)

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