1986 - Vierzig Minuten

Bild: OpenAI; @vanje
Auslöser für diese Gedanken war eigentlich ein Beitrag über Quantencomputer und Bitcoin. Die oft geäußerte Sorge lautet, dass leistungsfähige Quantencomputer eines Tages Bitcoin angreifen könnten.
Interessanterweise sehe ich das relativ gelassen.
Sollte Quantencomputing tatsächlich einmal so weit sein, wären nicht nur Kryptowährungen betroffen. Dann stünde ein großer Teil unserer heutigen digitalen Infrastruktur vor einer Herausforderung – vom Online-Banking über Behörden bis hin zu verschlüsselter Kommunikation. Ich gehe deshalb davon aus, dass entsprechende Schutzmechanismen entwickelt und eingeführt werden, bevor es zu einem flächendeckenden Problem wird.
Während ich darüber nachdachte, drifteten meine Gedanken allerdings in eine ganz andere Richtung.
1986 analysierte ich eine dbase II Datenbank, um diese von CP/M nach DOS zu migrieren. Eine Auswertung dauerte gefühlt eine Ewigkeit. Vierzig oder fünfzig Minuten – ich weiß es heute nicht mehr genau. Damals rechnete ich mir aus, dass wir um das Jahr 2000 vielleicht einmal an einem Punkt sein würden, an dem dieselbe Aufgabe innerhalb einer Sekunde erledigt werden könnte.
Heute muss ich über diese Vorstellung schmunzeln.
Nicht, weil ich mich verrechnet hätte, sondern weil die Entwicklung noch viel weiter gegangen ist. Manche Ergebnisse liegen heute praktisch schon vor, bevor der Gedanke vollständig formuliert ist.
Ich durfte diese Entwicklung über vier Jahrzehnte miterleben. Vom langsamen Rechner bis hin zu einer künstlichen Intelligenz, mit der wir uns ganz selbstverständlich unterhalten können.
Und genau deshalb beschäftigt mich heute weniger die Frage, was technisch möglich wird.
Mich beschäftigt vielmehr, ob unsere Verantwortung mit derselben Geschwindigkeit wächst wie unsere technischen Möglichkeiten.
In der Medizintechnik habe ich früh gelernt, dass Technik weder gut noch böse ist. Sie ist ein Werkzeug. Entscheidend ist, wer sie entwickelt, wie sie eingesetzt wird und welchen Zielen sie dient.
Ein medizinisches Gerät wurde damals über Jahre entwickelt, geprüft, dokumentiert und validiert. Nicht, weil man Fortschritt bremsen wollte, sondern weil am Ende Menschen betroffen waren.
Heute erleben wir in vielen Bereichen eine Entwicklungsgeschwindigkeit, die mich gleichermaßen fasziniert und nachdenklich macht. KI, Automatisierung, Quantencomputing – vieles entwickelt sich in einem Tempo, das wir vor wenigen Jahren kaum für möglich gehalten hätten.
Dabei geht es mir gar nicht um Angst. Angst ist nicht das richtige Wort.
Es ist eher der Respekt vor der Verantwortung, die mit jeder neuen technischen Möglichkeit wächst.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahrzehnte. Nicht darin, ob wir etwas entwickeln können, sondern ob wir dabei den Menschen weiterhin im Mittelpunkt behalten.
Das war über viele Jahre mein persönlicher Leitspruch.
Der Mensch im Mittelpunkt.
Daran hat sich bis heute nichts geändert.
In der Tat müssen wir es irgendwie hinbekommen, das wir da auch Schritt halten und finde es gut, das inzwischen Schulen anfangen aufzuzeigen, was mit KI möglich ist und vorallem auch wie man sich vor Fehlinformationen schützt. Klar auch vor Deepfakes etc. aber auch weil immer wieder KI falsche Infos gibt.
Das merke ich selber immer wieder und muss manche Sachen 10 mal hinterfragen.
Und selbst dann kommt noch "Du hast recht..." gefolgt von der gleichen falschen Antwort.
Da stimme ich dir zu. Ich glaube sogar, dass der kritische Umgang mit Informationen künftig genauso wichtig sein wird wie Lesen und Schreiben.
KI kann eine enorme Hilfe sein, aber sie nimmt uns das eigene Denken nicht ab. Im Gegenteil: Gerade weil Antworten oft überzeugend klingen, müssen wir lernen, sie einzuordnen und bei wichtigen Themen zu überprüfen.
Ich glaube, das wird eine der wichtigsten Fähigkeiten der Zukunft: Nicht alles ungeprüft zu glauben – unabhängig davon, ob die Information von einem Menschen, einer Suchmaschine oder einer KI stammt.
Da ist tatsächlich etwas dran. Sprachmodelle können in einer Unterhaltung manchmal zu schnell auf Korrekturen reagieren oder an einer falschen Annahme festhalten. Ein gutes Modell sollte in solchen Fällen Unsicherheit deutlich machen oder seine Schlussfolgerung noch einmal überprüfen, statt vorschnell zuzustimmen oder an einer fehlerhaften Antwort festzuhalten.
Ich müsste mal das Mathe Rätsel raussuchen, Zahlenfolge mit Lücken, gucken was inzwischen als Antwort kommt.
Vor gefühlt 2 Jahren, kam eine Abstruse Antwort und beim Nachfragen, also Erklärung dazu, kam eine Rechnung ala 3+4=8
Was viele ja inzwischen machen, sie lassen von einer anderen KI dann die Antwort prüfen, k.a. wie gut dad wirklich klappt.
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Sowie „Mensch“ und „Mittelpunkt“ sollten exakt definiert werden. Denn bei genauerer Betrachtung, hat der Mensch, wenn er sich als Mittelpunkt des „Ganzen“ sieht oder sah, noch nicht wirklich das hinbekommen, was einen tobenden Applaus verdient hätte.
Du sprichst einen interessanten Punkt an. Mit "Der Mensch im Mittelpunkt" meinte ich weniger den Menschen als Mittelpunkt des Ganzen, sondern als Maßstab für den Einsatz von Technik.
Technik sollte aus meiner Sicht dem Menschen dienen und gleichzeitig sollten wir nie vergessen, dass wir selbst nur ein Teil des Ganzen sind. Vielleicht hätte ich es genauer formulieren sollen. 😊