Wunderbare Welt der (Schleim)Pilze
english summary: A collection of fungi and slime molds from the recent weeks
Liebe Naturfreunde,
geht man aufmerksam durch den Wald, findet man nicht nur die typischen Pilze "mit Hut und Stiel" bzw. Ständerpilze, sondern auch Ungewöhnlicheres, wobei einige vermeintliche Pilze in Wirklichkeit gar keine sind! Und das nicht nur im Herbst, sondern auch schon im Sommer.
Das Dunkle Fadenkeulchen (Stemonitis fusca), das zur Gattung der Fadenstäublinge gehört, hier eine frühe Form auf einem toten Baumstamm. Zuerst hielt ich es für frisch abgelegte Insekteneier, aber die schwarzen Stielchen an der Basis widersprechen dem und verraten, dass es ein Schleimpilz ist!

Schleimpilze sind trotz des Namens keine Pilze und auch weder Pflanzen noch Tiere, sondern Einzeller (wenngleich auch mit oft sehr vielen Zellkernen) und ein völlig eigenständiges Reich, das alle Teile der Erde bevölkert, und das seit mindestens 500 Mio. Jahren! Feuchtes Milieu und Totholz lieben sie, daher sind naturnahe Wälder mit viel Regen Schleimpilz-Paradiese.
Auch die Gelbe Lohblüte (Fuligo septica) ist ein Schleimpilz, der sich als sog. "Plasmodium" (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Malaria-Erreger) amöboid auf dem Substrat kriechend fortbewegen kann, hier auf Moos. Wegen der auffälligen Farbe wird sie auch Hexenbutter genannt. Obwohl dieser Blob ca. 10cm groß ist, handelt es sich um eine einzige Zelle (mit vielen diploiden Zellkernen)!

Detail von einem anderen Exemplar. Am Rand kann man anhand der unscharfen Abgrenzung die amöboide Fortbewegung erahnen, die so langsam ist, dass man sie nicht bemerkt.

Obwohl Schleimpilze wie Pilze Zersetzer sind (die sich von abgestorbenem organischem Material ernähren), verhalten sie sich in dieser Phase ihrer Existenz eher wie Tiere. Sie wandern umher und Versuche zeigten, dass bestimmte Arten wie Physarum polycephalum sogar in einem Labyrinth den schnellsten Ausgang finden können, wenn dort Futter abgelegt wurde (Quelle) - ohne ein Nervensystem! Das tun sie aber ganz anders als z.B. Ratten. Im Prinzip "erforschen" bzw. durchdringen sie das ganze Labyrinth (auf der Suche nach Nahrung), expandieren also ihren Körper (=ihre Zelle) und kontrahieren dann erfolglose Verzweigungen, bis nur mehr der kürzeste Verbindungsweg (oder -wege bei mehreren Futterquellen) übrigbleibt, eine klassische Netzwerkoptimierung. Vermutlich erfolgt die intrazelluläre Informationsübermittlung über Signalmoleküle (Kandidaten sind unter anderem Calzium (Ca²⁺), ATP und cAMP).
Zu einem bestimmten Zeitpunkt, z.B. bei Nahrungsmangel zieht sich das Plasmodium dann zusammen und bildet wie Pilze einen (oder viele) Fruchtkörper wie im ersten Bild. Aus diesen werden haploide Sporen über Wind, Wasser und Tiere verbreitet, aus denen in feuchter Umgebung bis zu vier Geschlechtszellen (Gameten) schlüpfen. Diese können kriechen (Myxamöben) oder schwimmen (Myxoflagellaten) und Nahrung aufnehmen und sich sogar durch Teilung vermehren oder bei schlechten Bedingungen widerstandsfähige Überdauerungsstadien ("Mikrocysten") bilden. Vereinigen sich zwei haploide Myxamöben zu einer diploiden Zygote, wächst diese zu einem Plasmodium heran – der Kreislauf hat sich geschlossen.
Der Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum) ist auch ein Schleimpilz und auch ihn habe ich auf einem toten Baumstamm gefunden. Der noch junge Fruchtkörper war nur ein paar mm groß.

Anderes Exemplar auf totem Nadelholz.

Das könnte auch ein Fadenstäubling (Stemonitis sp.) sein. Pilzbestimmungs-Apps versagen hier bei diesem frühen Übergang vom Plasmodiumstadium zur Ausbildung von Fruchtkörpern, die auch noch nicht die richtige Farbe haben. Die Vermutung stammt von einem User auf iNaturalist, wo ich das Bild hochgeladen hatte, um einen Bestimmungs-Tipp zu erhalten.

Detail.

Auch das ist ein interessant aussehendes Ding, aber ich habe leider keine Ahnung, was es ist. Wenn jemand eine Vermutung hat, bitte in die Kommentare!

Das ist vermutlich ein Laubholzhörnling. Er wächst auf totem Laubholz. Sein naher Verwandter, der größere Klebrige Hörnling, mag dagegen Nadelholz. Beide werden auch "Ziegenbart" genannt (obwohl ich noch nie ein Ziege mit orangefarbenen Bart gesehen habe).

Ein noch sehr junger Schwefelporling (?).

Hier ein betagtes Exemplar. Der Schwefelporling ist eßbar, mit vielen medizinischen Wirkungen (z.B. antibakteriell, antimykotisch, antitumoral) und auch die Lieblingsnahrung vom Gelbbindigen Schwarzkäfer. Dieser Käfer mit der auffälligen Musterung ernährt sich nur von Baumpilzen.


Ein Striegeliger Schichtpilz mit der typischen weißen Behaarung auf der Oberseite, was ihn von der Schmetterlingstramete unterscheidet, die ansonsten ähnlich aussehen kann.

Der mit dem Austernpilz und dem Champion verwandte Rillstielige Seitling ist ein exzellenter Speisepilz.

Perlhuhn-Tintlinge auf Totholz in verschiedenen Reifestadien.

Bei noch jungen Exemplaren kann man sehen, woher der Pilz seinen Namen hat.

Der Flache Lackporling, hier typisch mit kakaobrauem Sporenpulver überzogen. Er wird auch Malerpilz genannt, da sich die weiße Porenseite bei Druck dauerhaft braun verfärbt und man somit darauf regelrecht malen kann.

Er gilt in Asien als Heilpilz mit stark entzündungshemmenden Eigenschaften.
Apropos Heilpilz. Der Zunderschwamm ist einer der häufigsten Heilpilze, bzw Vitalpilze, die bei uns vorkommen, hier ein recht junges Exemplar. Er kann mehrere Jahre alt werden und jedes Jahr kommt eine Schicht dazu.

Noch ein Baumpilz, den ich nicht identifizieren konnte. Aber die Perspektive mit der Sonne im Hintergrund gefällt mir.

Die Unterseite (Sporenschicht) des Eichen-Wirrlings ist unverwechselbar labyrinthartig ("daedaloid" genannt) und entsteht dadurch, dass nach dem Reifen des Fruchtkörpers einzelne Porenwände herausbrechen. Er kommt fast nur auf Eichen vor und ist bei uns der einzige Wirrling. Das Exemplar wurde vom Inst. f. Botanik zur Verfügung gestellt, das unlängst einen Vitalpilzkurs veranstaltet hatte.

Kein Pilz, sondern die Echte Rentierflechte.

Flechten sind ohne Zweifel auch sehr interessante Lebewesen, aber dises Thema wird auf ein anderes Mal aufgeschoben...
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Posts zum Thema:
https://peakd.com/hive-166168/@stayoutoftherz/pilzfestspiele
https://peakd.com/hive-166168/@stayoutoftherz/pilzfestspiele-teil-2-die-bilder
https://peakd.com/hive-194913/@stayoutoftherz/noch-mehr-pilze
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At first glance, the Stemonitis fusca looked like some red pieces of meat, and I had other impressions with the rest of the images. I think that’s what sparks more curiousity when you stumble on a post, and now I’ve learned that not all mushroom-looking species are indeed mushrooms.
My favourite part with this might just be how much knowledge is rooted in the biology of things. For example, the plasmodium adapting for survival when there’s a shortage of food and the developmental stages of each one.
I really enjoyed reading this post, especially with the awesome images. Thanks!
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