Ist die "Out of Africa"-Theorie endgültig widerlegt?

Liebe Leser,
lange galt Afrika als die unumstrittene Wiege der Menschheit - die sog. "Out of Africa"-Theorie, ein zentrales Dogma der Paläoanthropologie und heutzutage schon Schulstoff. Ein neuer Fossilfund aus Bulgarien könnte dieses Bild nun ernsthaft infrage stellen, denn daraus geht hervor, dass die ersten entscheidenden Schritte zur Menschwerdung offenbar in Europa stattfanden! Mit Menschwerdung ist die Abspaltung zur Gattung Homo gemeint, zu der wir auch gehören. Nicht die Entstehung des Homo sapiens, die erst sehr viel später, vor ca. 350.000 Jahren geschah.

Es war ein unscheinbarer Oberschenkelknochen, der in der Azmaka-Fundstelle in Südbulgarien entdeckt wurde. Der Fund ist auf 7,2 Mio. Jahre datiert und gehörte vermutlich zu einem Graecopithecus freybergi. Forscher um Nikolai Spassov vom Bulgarischen Nationalmuseum für Naturgeschichte in Sofia haben ihn analysiert und letzte Woche in nature publiziert. Der Knochen zeigt klare Merkmale eines aufrechten Gangs: einen verlängerten, aufwärts gerichteten Hals zwischen Schaft und Kopf, spezielle Ansatzstellen für die Gesäßmuskulatur sowie eine dicke äußere Knochenschicht. Diese Eigenschaften unterscheiden ihn von typischen vierbeinigen Menschenaffen.

image.png
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s12549-025-00691-0.pdf

„Man könnte ihn durchaus als fehlendes Bindeglied bezeichnen“, so einer der beteiligten Anthropologen. Er deutet auf eine Übergangsform des Bipedalismus hin – jenes Merkmals, das den Weg zur Entstehung der Menschheit ebnete. Bisher galt das Dogma, dass der entscheidende Schritt zur Zweibeinigkeit in Afrika erfolgte. Funde wie Sahelanthropus tchadensis (vor etwa 7–6 Millionen Jahren) galten als älteste Belege. Der bulgarische Oberschenkelknochen ist aber älter. Er steht nicht allein: Bereits 2017 hatten Zahn- und Kieferfunde aus Griechenland und Bulgarien Graecopithecus als möglichen frühen Homininen ausgewiesen. Fußspuren auf Kreta aus derselben Epoche untermauern die These früher Zweibeinigkeit in Europa. Klimatische Veränderungen im späten Miozän verwandelten weite Teile Eurasiens in Savannen. Dies könnte unsere Vorfahren vor ca. 7 Mio. Jahren gezwungen haben, nach Süden zu ziehen – über die Balkanroute und Anatolien nach Afrika. Dafür spricht, dass es keine afrikanischen Funde gitb, die älter als 7 Mio. Jahre sind. In Afrika entwickelten sie sich weiter, während die europäische Linie ausstarb. Damit wäre die Grundlage der späteren afrikanischen Savannenfunde selbst europäischen Ursprungs.

Der Befund passt auch zu anderen europäischen Entdeckungen wie dem 12 Mio. Jahre alten Danuvius guggenmosi aus dem Allgäu, einem Primaten, der schon die Fähigkeit hatte, aufrecht zu gehen (ich hatte hier darüber berichtet):
image.png

Diese Funde untergraben, zusammen mit Kritik an der Art der DNA-Analyse, das vereinfachte Bild einer rein afrikanischen Menschheitsgeschichte. In manchen Kreisen wurde das Out-of-Africa-Narrativ dogmatisch verteidigt und ideologisch instrumentalisiert, um europäische Errungenschaften zu relativieren. Wissenschaft sollte aber kein Instrument der Ideologie sein. Die Wiege der Menschheit – oder zumindest der entscheidenden Schritte zur Hominisation – scheint zumindest teilweise in Europa gestanden zu haben und die ersten Menschen könnten durch klimatischen Druck nach Afrika ausgewandert sein, wo sie sich dann zum Homo sapiens weiterentwickelt hatten.

Die Forscher planen weitere Grabungen in Azmaka und auf dem Balkan, um mehr Belege für die Evolution des Graecopithecus zu finden. Dieser Fund erinnert jedefalls daran: Europa hat Anteil an den Wurzeln der Menschheit, auch wenn es nicht in das antikolonialistische Weltbild passt.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hominisation
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s12549-025-00691-0.pdf
https://link.springer.com/article/10.1007/s12549-025-00691-0
https://report24.news/wiege-der-menschheit-in-europa-bulgarischer-sensationsfund-zerlegt-antiwestliches-dogma/
https://www.nature.com/articles/s41586-019-1731-0
https://science.orf.at/v2/stories/2993996/
https://www.science.org/content/article/experts-question-study-claiming-pinpoint-birthplace-all-humans

Verwandte Posts:
Kam der Mensch doch nicht aus Afrika?



0
0
0.000
7 comments
avatar

Falls das stimmt, könnte das ganze Schulbuch-Kapitel überdenken müssen, oder zumindest mit Fragezeichen versehen.

0
0
0.000
avatar

Really interesting. Science should be about the truth. Not ideology. Hopefully they will continue to research and find more information to prove or disprove.

0
0
0.000
avatar

Sehr interessanter Fund, Vorgänger des Homo Sapiens stammen vlt aus Europa oder Eurasien.

0
0
0.000
avatar

Es ist einfach nur schade, dass wir nach Millionen von Jahren der Entwicklung immer noch nicht ohne Krieg zusammenleben können.

0
0
0.000
avatar

What's kind of bone that, I can't understand the language but I only base on the picture..but anyway you gave knowledge about what it is to all..

0
0
0.000
avatar

You can translate the post easily via the tools-menu on peakd

image.png

0
0
0.000