Katastrophensoziologie XXII – Deutungshoheit in der Krise?

Hallo Freunde,

nachdem wir uns im letzten Post angeschaut haben was eigentlich Krisen aus der Sicht der Soziologie in der heutigen Gesellschaft sind und was eigentlich Gesellschaften sind, schauen wir uns heute einmal an, was eigentlich die Deutungshoheit in einer Krise bedeutet.

Das Problem mit der Deutungshoheit heute ist, dass sich an ihr heute alle Menschen beteiligen können. Wir unterscheiden in der Deutungshoheit heute in das sogenannte Framing, also die Deutung des Geschehens und die Platzierung des Geschehens in einem Rahmen, dieser Rahmen spielt eine entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung in der Bevölkerung. Dazu kommt das Blaming, bei dem es sich um eine Schuldzuschreibung handelt. Das größte Problem dabei ist, dass diese Deutungshoheit heute von allen Menschen wahrgenommen werden kann die Kommunikativ erreichbar sind, vor allem die schnell erreichbar sind, was nicht unbedingt eine unmittelbare Betroffenheit bedeutet. Durch das Internet und andere elektronische Medien sind die Zeiten vorbei in der die Offiziellen Aussagen das Meinungsbild dominiert haben. In Betreuungsstellen erfahren unsere Einsatzkräfte oft durch die Nachrichten von Veränderungen, da heute News schneller verbreitet werden, als sie den offiziellen Meldeweg gehen können. Dies ist vor allem ein Problem, wenn Experten nicht mehr dazu kommen, Informationen weiterzugeben, ohne dass sie verzerrt werden.

Dabei muss man sich anschauen was für Experten es gibt. Es gibt zwei Arten von Expertise in Krisen und Katastrophen. Zum einen Experten für Krisen und Experten in Krisen. Ein Experte für Krisen ist jemand wie ich, ein Experte der über Wissen von Krisenverläufen und Bewältigungsstrategien kennt. Dabei handelt es sich zum Beispiel um BOS-Organisationen oder Krisenmanagement-Experten. Auf der anderen Seite gibt es Experten in Krisen die über spezifisches Sachwissen verfügen, das in der Krise verwendet wird um die Situation zu händeln. Das können zum Beispiel Virologen während Corona sein oder man hat in einer Finanzkrise Ökonomen im Einsatz.

Beim nächsten Mal schauen wir uns einmal den sozialen Faktor in der Krise an und in wie weit laut der Soziologie Krisen und Notfälle eigentlich dadurch strukturiert sind.



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