Katastrophensoziologie IV – das FAKKEL-Modell?
Hallo Freunde,
heute schauen wir uns einmal das FAKKEL-Modell nach Clausen an. Dieses Modell wurde 1983 vom ersten deutschen Katastrophensoziologen Lars Clausen aufgestellt und beschäftigt sich primär damit, wie sich in einer Krise Experten und Laien immer weiter voneinander entfernen. Dies kommt vor allem daher, dass die Laien den Experten nicht mehr vertrauen und die Experten zu hochnäsig werden und die Laien vergessen. Die Gruppen entfernen sich voneinander und so wird eine Gesellschaft anfälliger für Krisen und Katastrophen. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass Laien immer mehr ein Problem damit entwickeln sich mit Erwartungsenttäuschungen abzufinden und damit umzugehen, während gleichzeitig das Vertrauen in die Maßnahmen zur Bekämpfung der Katastrophe verloren sind. Es kommt sogar zu den Fällen, in denen sich aktiv gegen die Maßnahmen gewehrt wird und so die Katastrophe weiter verschlimmert werden könnte.
Das FAKKEL Modell besteht aus sechs Phasen.
Friedensstiftung
Experten und Laien sind in dieser Phase verbündete und arbeiten zusammen, es herrscht Vertrauen zwischen beiden Gruppen und die Gesellschaft ist Resilient gegen Krisen und Katastrophen.
Alltagsbildung
Je länger diese Friedensphase andauert, desto mehr wird es zum Alltag. Die Experten entfernen sich von den Laien. Oft wird Experten ein fast magisches Potential zugeschrieben, wie man es zum Beispiel oft bei Rettungskräften oder Feuerwehrleuten hat. Es wird vergessen, dass es nicht nur die Aufgabe der Gefahrenabwehr ist die Gesellschaft zu schützen, sondern am Ende Aufgabe jedes einzelnen seinen Beitrag zu zahlen. Gefahren werden vergessen, sie sind sehr weit weg und eher eine lästige Erinnerung.
Klassenformation
Hier ist die Distanz bereits soweit fortgeschritten, dass es kein Verständnis mehr zwischen den beiden Gruppen gibt. Die Experten schreiben ihre Pläne und erklären nichts mehr, während die Laien im Alltag komplett angekommen sind und jede Form von Erwartungsenttäuschung ein Weltuntergang ist.
Katastropheneintritt
Die Katastrophe tritt ein und der Alltag wird prompt unterbrochen. Hier sind wir an einem Punkt wo es heikel wird, wenn die Klassenformation noch nicht sehr weit fortgeschritten ist, können die Experten die Katastrophe noch eindämmen. Wenn nicht tritt der nächste Schritt ein.
Ende aller Sicherheit
Durch den Verlust des Vertrauens in die Experten, es ist ein Zusammenbruch der sozialen Netze die unsere Gesellschaft ausmachen und die Laien müssen selbst mit der Situation zurechtkommen. Man redet hier von Katastrophenrealisten, die mit der Katastrophe leben müssen und irgendwie schauen müssen wie sie damit zurechtkommen.
Liquidation der Werte
Hier sind wir nun an dem Punkt wo zwei Sachen passieren können. Entweder die Gesellschaft geht unter und eine neue entsteht aus den Trümmern der alten Gesellschaft. Ein Beispiel dafür ist beispielsweise das Erdbeben in Haiti, nach dem der Staat sich nie wieder erholt hat und heute eine Gesellschaft aus Gangs große Teile der Insel beherrschen. Oder es beginnt wieder in der Friedensstiftung und der ganze Prozess beginnt wieder von vorne. Was er so oder so irgendwann tut.
In dem Sinne, schauen wir uns das nächste mal einmal das LIDPAR-Modell nach Dombrowsky an, der 1983 ebenfalls ein Modell zur Beschreibung von Krisen aufgestellt hat.