Katastrophensoziologie I – Wie funktioniert unsere Gesellschaft
Hallo Freunde,
ich hatte in den letzten Wochen eine Menge mit einem Kurs für mein Studium zu tun. Katastrophensoziologie. Dabei geht es darum, wie eine Gesellschaft funktioniert, wie Krisen und Katastrophen entstehen, was Notfälle sind und warum das ganze so eine Rolle in der Gesellschaft spielt. Welche Organisationen eine Rolle in der Abwehr solcher Krisen, Katastrophen und Notfällen spielen und welche Eigenschaften diese Organisationen besitzen. Auch wie sie arbeiten. Es ist quasi ein Einblick in die Grundlagen der Gefahrenabwehr.
Schauen wir uns also einmal an, auf welcher Grundlage eine Gesellschaft funktioniert. Dafür müssen wir uns erstmal die Erwartungen von Menschen anschauen. Jeder von uns erwartet ein bestimmtes Verhalten von seinen Mitmenschen. So erwarten wir zum Beispiel im Straßenverkehr, dass die anderen Verkehrsteilnehmer an roten Ampeln halten. Diese und viele andere Erwartungen die wir Menschen aneinander haben, sind die Grundlage für unsere sozialen Strukturen und Ordnungen, also für das Funktionieren unserer Gesellschaft. Ich meine wie würde unsere Welt ohne bestimmte Grundlagen aussehen, die wir alle als Kinder schon erlernen. Zum Beispiel das man im Laden für seine Waren bezahlt oder die anderen nicht einfach schlägt. Es sind viele Umgangsformen, die wir von Kindheit an erlernen oder dann später in Schulen lernen, zum Beispiel in der Fahrschule die Regeln des Straßenverkehrs.
Diese erlernten und angewandten Regeln und die Erwartungen die so erfüllt werden, ergeben eine Ordnung die wir als Alltag bezeichnen. Also effektiv sagen die Soziologen unsere Gesellschaft funktioniert nur, weil wir alle ähnliche Erwartungen an unsere Mitmenschen haben und diese, diese Erwartungen erfüllen. Durch das Erfüllen dieser Erwartungen wird bestätigt, dass wir diese Erwartungen haben dürfen und es erzeugt Sicherheit, dass diese Erwartungen erfüllt werden. Wenn jetzt 10.000 Menschen an roten Ampeln stehen geblieben sind, was wir erlebt haben, erfüllt sich unsere Erwartung, dass alle Menschen an roten Ampeln stehen bleiben.
Dabei vergisst unser System, und damit wir als Menschen, dass diese gesamte Ordnung die wir als Alltag erleben, nichts weiter ist als die Erfüllung dieser Erwartungen. Hier sind wir jetzt bei einem der ersten Fachbegriffe die wir jetzt haben, dem Bewährungsmythos. Beim Bewährungsmythos müsst ihr euch vorstellen, dass wir davon ausgehen, dass die Welt genau so ist wie wir sie erwarten und nicht nur auf Erwartungen die wir aneinanderstellen bestehen. Unsere menschlichen Gesellschaften sind nichts weiter als sozialer Druck aneinander, die Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen und so ihr funktionieren zu ermöglichen. Dabei wird gemäß dem Bewährungsmythos das Krisenhafte vergessen. Wir haben in unserem Alltag Krisen. Diese werden aber im Rahmen des Alltags bewältigt, sie sind nur latent vorhanden. Latent bedeutet verborgen, also dass diese Krisen immer da sind, aber nicht wahrgenommen werden, da sie vom Alltag bewältigt werden. Es ist jedoch immer möglich, dass diese Krisen explizit werden, also aus dem Verborgenen hervorgehen und sichtbar werden, wenn sie nicht mehr vom Alltag gedeckt sind.
Das kommt daher, dass wir von Haus aus mit Erwartungsenttäuschungen rechnen, so rechnen wir damit, dass es zu einer Verspätung der Deutschen Bahn kommen kann, dass es unser Lieblingsessen nicht im Supermarkt gibt, weil es schon ausverkauft ist. Als Kinder ist dies eine ernsthafte Bedrohung für uns, da wir noch nicht gelernt haben damit umzugehen, aber mit den Jahren lernt man damit im Rahmen des Alltags umzugehen. Eine andere Erwartungsenttäuschung aus unserem Alltag die wir kennen ist der Verkehrsunfall, der unter umständen mit katastrophalen Folgen behaftet ist, wie dem Tod eines Insassen oder schweren Verletzungen. Wir sind dann aber überfordert mit der Situation. Und hier kommen Faktoren der Gefahrenabwehr ins Spiel, so wie man seit Kindheit angelernt hat, dass die Welt nicht untergeht und wie man damit umgehen kann, so lernt die Gefahrenabwehr den Umgang mit diesen Katastrophen. Sie werden Teil ihrer Alltagsroutine.
Und hier kommen wir zum Punkt dieses Kapitels. Worauf basiert eine Katastrophe oder eine Krise? Im nächsten Kapitel werden wir uns diese Begriffe näher anschauen. Aber hier schauen wir uns mal an, inwiefern das Ganze mit auf den Alltag zurückzuführen ist. Eine Katastrophe als Beispiel ist ein Ereignis, in dem es nicht möglich ist die Vorstellungen einer geordneten Welt aufrecht zu halten. Das Ereignis ist so Bedrohlich, dass unsere sozialen Konstrukte zusammenbrechen. Dies kann zum Beispiel ein Terroranschlag oder ein Hochwasser sein, bei dem die gesamte Existenz eines Menschen bedroht wird und alltägliche Themen untergehen. Eine Krise wiederum ist ein Ereignis, bei dem die latenten Krisen sichtbar werden, sie ist eine Latenzvernichterin. Also ein Sichtbarwerden vieler Krisen, die existieren, aber sonst im Alltag verdeckt sind. Es ist ein Extremfall der Normalität. Wir haben in so einem Fall einen extremen sozialen Wandel. Dies wird im FAKKEL Modell nach Lars Clausen definiert wird. Dieses Model und das LIDPAR Modell nach Dombrowsky werden in einem späteren Post vorgestellt. Wir schauen uns erstmal die Soziologie gesamt an und dann diese Modelle.
Nachdem wir uns jetzt einmal angeschaut haben wie unser Alltag entsteht und wir uns überlegen haben wie daraus Krisen und Katastrophen entstehen, schauen wir uns im nächsten Post einmal an was eigentlich eine Katastrophe, eine Krise und ein Notfall ist. Wie diese Definiert sind und was die Soziologie dazu sagt. In dem Sinne, noch einen schönen Tag euch.
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